Dosen, Körbe und viel Lärm

Ein Monat ist vorbei, 1/12 meines Aufenthalts, noch keine zweistellige Prozentzahl, aber immerhin einige Zeit um schon ein paar erste Schlüsse zu ziehen und auch einige, nicht allzu verurteilende Beobachtungen zu machen. Was mir als erstes in den Sinn kommt wenn ich überlege, was ich in meinem ersten Monat in Namibia gelernt habe, ist das Öffnen von Dosen mit einem Low-Quality Dosenöffner, klingt vielleicht nicht allzu spektakulär, war für mich aber ein Moment in dem mir echt die Augen aufgingen. Zwei Wochen hatte ich mich damit abgequält die Dosen für meine go-to Mahlzeit – Spaghetti Bolognese – mit einem Messer zu öffnen, weil ich annahm der Öffner sei kaputt und in meiner dickköpfigen Art auch nicht auf die Idee kam, Louisa oder die namibianische Mitbewohnerin Becky nach Hilfe zu fragen. Ehe die beiden dann mitansehen mussten wie dämlich ich mich eigentlich anstellte. Direkt wurde mir erklärt wie der Öffner zu nutzen sei und seit einer Woche brauche ich eine halbe Ewigkeit weniger um meine Dosen zu öffnen. Das hat mir gezeigt, dass ich einerseits über gar keine Lebenserfahrung verfüge und andererseits, dass unsere Mitmenschen es durchaus besser können und mehr Bescheid wissen als wir selbst. Meiner Meinung nach, eine ziemlich wichtige Erkenntnis die ich hoffentlich nicht allzu schnell vergessen werde.

Aber ich habe in den Wochen seit meinem letzten Beitrag nicht nur Dosen geöffnet. Wir steckten tief in der Planung für das 3 gegen 3 Turnier, welches im Zuge der Namibianischen Streetballtour in der Nachbarstadt Oshakati stattfand. In den letzten zwei Wochen bin ich da bestimmt 20 mal mit dem Taxi hingefahren um mit Geschäftsinhabern, Verkäufern und Security Guards zu sprechen, die zu meiner Überraschung alle mehr als bereit waren, uns bei unserem Turnier zu unterstützen. Zum Glück kostet Taxi fahren hier pauschal nur 70 cent, was sich eigentlich absurd anhört, aber aufgrund des ungaublichen Angebots an Taxen fast schon teuer ist. In den Gesprächen wurde uns dann beispielsweise angeboten, die Körbe im Lager des größten Einkaufsladens vor Ort aufzubewahren, was meiner Meinung nach super hilfreich war, von Pondo aber eigentlich schon vorausgesetzt wurde. Das Turnier fand diesen Samstag statt und so kamen der Chef des NBFs und sein Assistent bereits am Freitag zu uns in den Norden, um uns so gut sie konnten zu unterstützen. Wir organisierten dann am Freitag die Körbe beim Supermarkt abzuladen. Von dort mussten sie nur aus dem Lager nach vorne auf den Parkplatz gebracht und aufgebaut werden, was sich recht simpel liest, stellte sich als härtester Arbeitstag meines bisherigen Aufenthalts heraus. Das Abladen der Körbe ging noch recht flott, abends als wir zum Aufbauen der Körbe kamen, waren Pondo und ich dann aber alleine vor Ort, da die Anderen noch administratives Zeug erledigen mussten, wir mussten die Körbe also zu zweit durch den Supermarkt auf den Parkplatz tragen. Da ich auf Grund physischer Vorteile etwas schneller arbeitete als Pondo, trug ich die Einzelteile der Körbe eigentlich alleine nach vorne, was ich Pondo aber kein Stück übel nehme. Trotzdem war das eine mega Arbeit, die ungefähr fünf Fitnessstudioaufenthalten gerecht wurde, nach dem Wochenende hatte ich tatsächlich den Eindruck ein Wachstum meines Oberarmumfangs feststellen zu können. Wie auch immer erschienen die Anderen dann nach anderthalb Stunden, zu dem Zeitpunkt waren wir gerade mit dem Heraustragen der Körbe fertig, der härteste Teil war also erledigt. Immerhin hatten wir dann Untertzützung beim Aufbauen der Körbe und dem Aufkleben der Felder, was aber trotzdem noch einmal 3 Stunden in Anspruch nahm, da sich einerseits von 25 Menschen komischerweise immer nur 7 dazu verpflichtet gefühlt haben, zu helfen und andererseits die Beleuchtung auf dem Parkplatz immer nur alle 10 Minuten für 1 Minute gebrannt hat (Ab 19 Uhr ist es stockdunkel, die Zeit wurde sogar schon in Sommerzeit umgestellt, vorher ging die Sonne 17:50 unter). Danach sind wir dann begleitet von Jeanine und Luca, zwei befreundeten Freiwilligen aus Eenahna, die extra zum Helfen vorbeigekommen waren, nach Hause gefahren, um dort wie Klötze ins Bett zufallen.

Das Turnier selber startete ziemlich wirr, der NBF hatte vor das Turnier als international anerkannt durchzuführen und deswegen benötigte jeder Spieler einen FIBA Account. wWas allerdings ziemlich schwer zu erfüllen ist, da man zum Erstellen des Accounts eine Email Adresse braucht, auf die man auch zugriff hat. Das ist bei 12-jährigen Namibianischen Kindern nun wirklich nicht der Fall. Deswegen hatten wir uns bereits zwei Wochen im Voraus um die Player Registrations gekümmert, aber wie erwartet traten nur zwei Drittel der angemeldeten Spieler beim Turnier an, was auch dazu führte das Teams neu registriert werden mussten. Ein ziemlich durcheinander, was wir aber durch eine mehr oder weniger erfinderische Lösung aus dem Weg schafften. So konnte ich dann tatsächlich auch mit zwei mir völlig unbekannten Kollegen antreten, wir wurden Zweiter bei den Herren, was aber eigentlich „echt scheisse“ war, denn alle Teams hier waren echt schlecht. Ich hatte aber auch ohne unfair sein zu wollen, Teammates erwischt, die ziemlich komisch waren. Einer forderte immer wieder den Ball, konnte aber nicht fangen, der Andere wollte auch immer den Ball um dann direkt auf den Korb zu ballern und so war es ganz lustig zu spielen aber ziemlich aussichtslos zu gewinnnen. Wider meiner Erwartungen gewannen wir dann doch zweimal und verloren nur einmal was uns den schon benannten zweiten Platz beschaffte. Was aber viel erfreulicher war, war dass die drei Mannschaften der OBS (das Programm in dem ich tätig bin) den ersten bis dritten Platz der U13 Kategorie gewannen, wobei für die jeden Tag trainierenden Mädels und Jungs auch echt keine Konkurrenz vor Ort war. Trotzdem freuten wir uns und die Pokale und Medaillen erfüllten die Kinder mit unglaublichem Stolz. Von acht bis drei ging der ganze Turnierspaß und wir durften dann, diesmal mit mehr Unterstützung und auch in schnellerem Tempo, die Körbe abbauen und wieder in den Laden bringen, Stühle zusammenräumen und die aufgeklebten Felder abreißen. Was mir dieses Turnier gezeigt hat ist, dass es niemals so läuft wie du es dir vorstellst, nicht mal annähernd. Wie schon erwähnt hatten wir es mit dem FIBA Programm versucht die Spieler anzumelden, damit die Spiele international geltend gemacht und Spieler FIBA 3×3 Punkte gesammelt werden können, aber wie Pondo so schön sagte :„This Porgram is not made for the bush.“ Da lag er eben goldrichtig, unser Turnierplan war ab der ersten Minute hinfällig gewesen, aber wie gesagt, haben wir es trotzdem ganz ordentlich gelöst.

Diese Woche war ich dann erstmalig richtig krank und lag zwei Tage mit miesen Bauchschmerzen im Bett. Ich glaube, dass mir die Fatcakes aus der Küche des Sam Nuyoma Multi Purpose Centers, der direkt neben der OBS sitzt, nicht so bekommen haben. Wie auch immer war das eigentlich nicht weiter schlimm, wäre da nicht das International University of Managment culture festival gewesen.
Direkt an unseren Hinterhof grenzt der große Schulhof (oder wie man es nennen will) der IUM, sogar mit Laubbäumen und ein klein wenig Wiese, auf genau diesem Hof fand das Festival statt. Das bedeutete für uns Musik mit 1000000 Dezibel Lautstärke von 30 verschiedenen Ständen, die Musik (Dazu muss man noch wissen, dass man hier fast überall immer nur dieselben vier Lieder hört, wer eine Kostprobe haben will hört sich ‚Davido-Fall‘ an, ist ein cooles Lied aber läuft hier 24/7 und genauso auch auf dem Fest.) startete morgens um 10 und endete nachts um Zwei. Völlig absurd eben, da genau hinter dem Fest ein großes Wohngebiet mit Schulkindern und arbeitender Bevölkerung liegt, die für gewöhnlich morgens nicht bis halb elf schlafen können. An meinen zwei Krankheitstagen habe ich mit dem Gedanken gespielt mal beim Town Council anzurufen und nachzufragen, wie richtig es ist, dass wir fast den ganzen Tag beschallt werde. Ich habe dann aber bemerkt, dass sich das schon nach einem ziemlich deutschen Spielverderber-Nachbarn anhört und habe es dann einfach über mich ergehen lassen und so dann meine Liebe zur deutschen Nachtruhe ab 10 gefunden.

Bis Dahin
Kilian

Mehr lesen

Willkommen von Moritz Plescher

Hallo ich bin es Moritz Plescher, ehemaliger Metropol-Spieler und Teil des Top 4 JBBL-Teams, das 2016 in Ulm um die Deutsche Meisterschaft gespielt hat. Wie einige wissen war ich ein Jahr in den USA (Copley, Ohio) und werde euch ein bisschen von dem vergangenen Jahr aber auch meiner Nationalmannschaftserfahrung im Sommer und meinem neuen Verein Brose baskets Bamberg erzählen! Ich poste euch schon ‚mal ein kleines Highlight-Video aus den USA!

Also Metropoler STAY HUNGRY AND KEEP WORKING !
Bis dann Gruß Moritz Plescher

Mehr lesen