Kilian´s Dezember-Erkenntnisse

Der Dezember wurde mir schon im Oktober als der Monat Namibias angepriesen. Regen, Party, Hochzeiten, Essen, Diebstahl, Überfüllung des Nordens und der Küste. Jeder will da Urlaub machen und auch sonst solle der Monat jede Menge bringen. Allerdings erlebte ich davon nicht all zu viel – einerseits, weil ich ab dem 15. Dezember auf Rundreise durch Botsuana, Sambia und Namibia war – andererseits, weil vieles davon einfach nicht eintraf.

Es hat im Dezember nur einmal geregnet (in der Zeit in der ich in Namibia war), geklaut wurde mir nichts, Ongwediva war unglaublich leer (die Küste dafür aber brechend voll zu Silvester) und auf einer Hochzeit war ich auch nicht.

Dafür war aber wirklich viel verrückte Partystimmung, überall lief zu jedem Zeitpunkt das Lied „Omunye“ von den Distruction Boys. Das besondere daran ist die Bedeutung. „Omunye“ bedeutet, sich auf etwas zu stellen und dabei irgendwas in die Luft zu heben. Und genauso verrückt geht es bei den Feiern zu. Also kam es vor, dass ich im Dezember oftmals Menschen sehen konnte, die mit Mülleimern überm Kopf auf Tischen tanzten. Das mag absurd klingen, hat aber auch ziemlich Bock gemacht, an der Küste ein bisschen auf Tischen rumzuspringen.

Wie auch immer. Das war nicht das spannendste am Dezember. Denn das sollte eigentlich der Trip werden, auf den ich mich mit 11 Mitfreiwilligen begeben habe. Ich sitze jetzt beim Versuch, all das in Worte zu fassen, was wir in den 9 Tagen erlebt haben, die wir durch Botsuana, Sambia und Namibia gekreuzt sind. Es fällt mir schwer, weil es so unendlich viel war und bei Zeiten auch einfach nur absurd und unvorstellbar. Ich entscheide mich schweren Herzens für die kurze Version.

Wir waren mit drei Autos unterwegs und haben es geschafft eins wieder zurück nach Windhoek zu bringen, so viel sei gesagt. Ein Auto hatte einen Auffahrunfall und musste nach 28 Stunden wieder nach Windhoek geschleppt werden, das andere konnte kurz nachdem wir wieder in Namibia waren nicht mehr gestartet werden, weil der Generator komplett Matsche war. Also zogen wir das Auto mit dem anderen an um den Motor ans laufen zu bekommen und retteten es in die nächstgelegene Stadt. Die letzte Nacht der Tour verbrachte ich mit meinen Kumpanen aus unserem Auto (dem einzig Heil gebliebenen, bis auf eine kleine Delle im Front-Bumper) dann im Hinterhof eines Automechanikers, da die Autovermietung es nicht einsah, dass das Auto unbeaufsichtigt bleiben könnte.

Genauso absurd der Moment, als wir aus dem Chobe National Park in den anliegenden Chobe Forest Reserve fuhren. Über etwas, was man bestenfalls Trampelpfad nennen konnte. Unser Navi führte uns mitten in den Wald. Wir hatten auf dem Weg bestimmt 50 Büsche umfuhren bis wir dann zwischen zwei Bäumen feststeckten. Schließlich konnten wir uns nur mit einem 40-minütigen Wendemanöver retten. Im Chobe hatten wir davor allerdings mindestens 400 Elefanten gesehen und mussten zeitweise (eine Stunde) Unmengen an Elefanten die Straße überqueren lassen. Nachdem wir am Okavango Delta zuvor nur knapp vor einem angreifenden Elefanten flüchten konnten, ließen wir hier besondere Vorsicht walten. Ebenfalls verrückt war es, als wir in einem Camp schliefen, was keine Sicherung vor wilden Tieren hatte. Uns schützte nur ein Feuer vor solchen, 12 Kilometer abseits der nächsten befestigten Straße. Gegen 22 Uhr meinte dann jemand ein Warzenschwein im Gebüsch gesehen zu haben und ich opferte mich, neues Feuerholz aufs Feuer zu schmeißen um dem ungebetenen Gast etwas Angst einzujagen und es zu verscheuchen. Unglücklicherweise, war das Warzenschwein eine Hyäne die drei Meter neben dem Feuer stand und mir direkt ins Gesicht schaute. Wir hechteten alle schnell ins Auto und harrten dort erst einmal 20 Minuten aus. In derselben Nacht näherte sich noch ein Elefant auf circa 5 Meter an unser Dachzelt. Ich habe selten so sehr geschwitzt. Ein Elefant, der nachts ein bisschen was isst, hört sich an wie vier Trecker die einen 400 Jahre alten Baum aus dem Boden reißen.

Mindestens genauso abgedreht war auch unser Grenzübergang nach Sambia von Botsuana. Da unsere Autovermietung es versäumt hatte, unser Auto anzumelden, kamen wir nicht ins Land und hingen 8 Stunden im Boarderpost fest. Wir konnten auch nicht mehr nach Botsuana zurück, da unsere vorherigen Visa schon ausgestempelt waren. So haben wir dann einen schönen Tag zwischen LKWs verbracht ehe wir dann endlich ins Land konnten. Am selben Abend standen wir dann allerdings noch auf der Klippe der Victoria Falls (mit die größten Wasserfälle der Welt) und meine Adern waren bis zum Rand mit Adrenalin gefüllt. Das beschreibt auch das auf und ab dieses Trips ganz gut.

Was sind meine Erkenntnis aus einem verrückten, gar nicht weihnachtlichen Dezember: Zum einen, die Tatsache, dass ich komplett in Namibia angekommen bin. Sehr oft im Dezember habe ich mich nach Hause gesehnt, nicht nach Deutschland, sondern nach Ongwediva, in mein 50 Grad heißes Zimmer mit dem unglaublich kleinen Bad. Nach dem Fitnessstudio, was mindestens genauso heiß ist, wo ich so gut wie jeden Abend verbringe oder aufs Basketballfeld mit 40 Kindern, die alle nur so halb aufpassen. All das habe ich lieben gelernt und dort finde ich meine Zufriedenheit, Ruhe und Entlastung, die ich mir in so manchem Moment auf dem Trip mit 10 Leuten herbeigewünscht habe.

Über Weihnachten in Swakop ist mir dann noch aufgefallen, dass Weihnachten für mich nicht unbedingt festlich sein muss, sondern ruhig. Ein bedächtiges rekapitulieren des Jahres hat mir gut gefallen, auch wenn ich das festliche Essen sehr vermisst habe. Es ist meiner Meinung nach nicht nötig, Weihnachten in einer perfekt gestalteten Umgebung mit Anzug und Krawatte zu verbringen, sondern viel wichtiger ist es, mit sich selber ein wenig ins Reine zu kommen.

In diesem schon fast peinlich pathetischem Sinne ein Frohes Neues Jahr an alle.

Gebt ordentlich Gas!
Euer Kilian

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